Robotik ist Zukunft

Beherzt schreitet Magdalena Banach in der Werkstatt zum Regal und greift sich die notwendigen Baugruppen heraus. Für ihre Aufgabe benötigt sie einen Schaltschrank, ein Simulationsmodell für einen Bandumlauf, also eine Industrieanlage en miniature und natürlich einen Laptop. Sie verbindet Schaltschrank und Simulationsmodell, startet das hierfür notwendige Programm am Computer und vertieft sich ganz selbstverständlich in die Welt der Automatisierungstechnik. Noch erprobt die 25-Jährige ihr Fachwissen am Modell, doch alles das kann sie zukünftig unter realen Bedingungen auf einer Großbaustelle ihres Arbeitgebers umsetzen.

Neue Herausforderungen in der Ausbildung

Magdalena Banach ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr und wird sich nach Abschluss ihrer dreieinhalbjährigen Lehre im ABB Ausbildungszentrum Berlin Elektronikerin für Automatisierungstechnik nennen. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie ich herausgefordert werde und wie viel Spaß mir diese Ausbildung macht“, sagt sie mit einem sanften Lächeln. Dabei war dieser Berufsweg gar nicht ihre Option. Nach dem Abitur beginnt Magdalena Banach Informatik zu studieren, lernt, wie man Informationen analysiert, strukturiert und programmiert. Nach zwei eher theoretischen Semestern startet sie neu in der Bio-Informatik, da sie ihre Zukunft im biomedizinischen Bereich sieht. Doch sie quält sich bei den Mathematikprüfungen, entschließt sie sich nach fünf Semestern, auch dieses Studium abzubrechen. „Es war meine Entscheidung. Ich war auf der Suche nach mehr Sicherheit, einer schnellen Perspektive.“ Das Studium ist es für sie nicht.

“Mein Studium war theorielastig, abstrakt. In der Ausbildung kann ich die Fächer besser in Verbindung setzen, alles ist konkreter”.

Bestärkt von ihren Eltern und dem Freund bewirbt sie sich bei ABB. Sie besteht den Aufnahmetest, bei dem Allgemeinwissen, Deutsch, Mathematik, Physik, Logik und technisches Verständnis geprüft werden; Spezialwissen ist dafür nicht nötig. „Aber diese Ausbildung ist wirklich anspruchsvoll und auch vielfältig.“ Sie bedauert heute sehr, dass während des Abiturs die Option eines Ausbildungsberufes nicht zur Debatte stand. „Die Beratungen waren nur auf Studiengänge und Berufe mit Studienabschlüssen fokussiert.

Klarheit über Ziele

Magdalena Banach profitiert in ihrer Ausbildung davon, dass sie schon etwas Lebenserfahrung besitzt und selber mehr Klarheit über ihre konkreten Ziele hat. Bei ABB weiß man auch um die Vorteile. Junge Menschen, die ihr Studium abgebrochen haben, sind eine interessante Zielgruppe. „Wir sehen, dass sie sehr motiviert sind, dass sie zuverlässig arbeiten und dass sie bereits gelernt haben, sich strukturiert einem Problem, einer Aufgabe zuzuwenden“, sagt Gerd Woweries, Ausbildungsleiter im ABB Bildungszentrum Berlin, wo im Rahmen einer Verbundausbildung auch Azubis anderer Unternehmen bis zum Abschluss gebracht werden. „Zudem sind sich Studienaussteiger meist sicherer, dass sie diesen Weg gehen wollen.“ Etwa 12 Prozent der Azubis im ABB Bildungszentrum Berlin hatten vor der Lehre ein Studium begonnen.

Auch als Frau fühlt sich Magdalena Banach in der richtigen Branche. Gegen Frauen gibt es keine Vorbehalte. „Ich kann dann vorweisen: Das habe ich gebaut, das habe ich schon programmiert, das läuft.“ Ausbildungsleiter Gerd Woweries bestätigt, dass Frauen hervorragende Kompetenzen für diesen Ausbildungsberuf mitbringen. „Sie sind aufmerksam, motiviert, verfügen über feinmotorische Fähigkeiten und sind sehr zielstrebig.“

Berufliche Ziele hat Magdalena Banach konkret vor Augen. Wenn sie alle Voraussetzungen erfüllt, möchte sie die Ausbildung bereits nach drei Jahren beenden. „Am liebsten würde ich später selber als Berufsausbilderin arbeiten, denn es ist toll, Wissen an Jüngere weiterzugeben. Ich habe hier gute Vorbilder. Aber mich interessiert auch die Robotik, die ist Zukunft.“ Sie hat viele Optionen mit ihrer Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik. „Die Richtung stimmt. Ich will auch keine Zeit mehr verlieren“, sagt sie.

“Die Richtung stimmt. Ich will keine Zeit mehr verlieren”.

 

Fotos: Anna Weise
Text: Ina Krauß

Dieser Erfahrungsbericht ist im Rahmen des Projekts „Queraufstieg Berlin“ entstanden. Das Projekt wurde von 2016 bis 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als „Leuchtturmprojekte Studienabbruch“ im Rahmen der Bund-Länder-Vereinbarung zur Initiative „Bildungsketten“ gefördert.